Bulgarien: Birdies statt Ballermänner

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Die Region um Varna ist bisher vor allem als Billig-Destination und „Ballermann“ bekannt. Mit dem spektakulären Platz Thracian Cliffs und zwei weiteren 18-Loch-Anlagen ganz in der Nähe wird das Schwarze Meer auch für anspruchsvolle Golfer zum lohnenden Ziel.
 
Text: Stefan Waldvogel

Er habe wohl etwa 30 Bälle verloren, sagt ein älterer Deutscher nach der Runde auf der Clubhaus-Terrasse. Überraschenderweise lässt er sich aber nicht entmutigen und will mit seiner kleinen Gruppe am nächsten Tag gleich nochmals die Herausforderung Thracian Cliffs annehmen, auch wenn er dafür auf das Pauschal-Arrangement 50 Euro nachzahlen muss. Für Leute mit hohem Handicap ist der Platz an der Schwarzmeerküste eigentlich nicht gemacht, Ballverluste und Score sollen keine Rolle spielen. Spektakulär ist er auf jeden Fall und weil die verzogenen Bälle weit unten im Meer landen, verliert man auch nicht viel Zeit mit Suchen. Architekt Gary Player hat sein im vergangenen Sommer eröffnetes Werk als Pebble Beach Europas bezeichnet und wenn Bulgarien auch das Prestige fehlt, passt der Vergleich punkto Landschaft durchaus: Gleich auf allen 18 Bahnen gibt es einen freien Blick aufs Meer.
Die teilweise happigen Höhenunterschiede machen das Spiel zu einer echten Herausforderung und den Cart obligatorisch. Herausfordernd ist dabei nicht nur das Signature-Hole Nummer 6. Hier sind es ab den hintersten Abschlägen genau 211 Meter aufs 60 Meter tiefer liegende Grün. Rechts droht das Schwarze Meer die Bälle zu verschlucken, links lauert dichtes Rough.
 
Nervenkitzel pur
„Als ich hier zum ersten Mal aufteete, war die Wassergrenze noch das Aus. Ich habe rote Pfosten gesteckt, um das Loch spielbar zu machen“, sagt der deutsche Manager Perry Einfeldt. „Zielt man nun Richtung Meer, kann man mit einem Strafschlag noch immer ein Bogey erreichen“, erklärt der Handicap-10-Spieler seine Strategie. Fünf verschiedene Teeboxen ermöglichen aber auch hier eine vernünftige Distanz und statt des eigenen Resultats zählt eher das Naturspektakel. Vor allem, weil bei unserem Besuch im April die Greens noch extrem langsam und schwierig zu berechnen waren: Ein Teil der Greens war schon während der ersten Saison kaputt gegangen und musste repariert werden. Abgesehen von diesem Wermutstropfen überzeugt der Platz aber in jeder Hinsicht. Spektakulär ist auch der künstlich aufgebaute Inselabschlag bei Loch 7: 180 Meter Carry über das Meer hinweg auf das erhöht gelegene Fairway ist nicht jedermanns Sache, aber Nervenkitzel pur.

Noch viel zu tun
Während sich der Platz schon nach der Hälfte der ersten Saison als Attraktion etabliert hat, bleibt rundherum noch viel zu tun. Knapp 60 grosszügige Appartements stehen bereit, der Bau des geplanten Luxushotels musste wegen der Finanzkrise vorerst verschoben werden. In den Schaufenstern der zahlreichen geplanten Mode-, Sport- und Schmuckboutiquen im Marina Village gaukelten bei unserem Besuch täuschend echte Fototapeten gefüllte Regale vor. In der jetzt laufenden zweiten Saison sollen die Läden nun vermietet sein und zum Shoppen einladen. Bei genauem Hinsehen erweisen sich die schmucken Appartementhäuser oberhalb der letzten drei Thracian-Cliffs-Fairways als geschickt mit riesigen Fotoplanen verhüllte nackte Rohbauten – eine Art Potemkinsches Dorf auf 5-Sterne-Niveau.

Gras dominiert

Viel gebaut wird auch ganz in der Nähe: Der ebenfalls von Gary Player designte Platz BlackSeaRama wurde 2009 eröffnet und bietet ein schönes „Links-Erlebnis“. Auf dem Platz sieht man zwischendurch etwas von den rund 100 Villen. Allerdings wurde konzentriert gebaut und insgesamt dominiert das dichte Gras auf den klassischen Hügeln links und rechts der Fairways. Man baue nur, was man auch verkaufen könne, sagt Delyana Davidova, Sales-Managerin bei BlackSeaRama. Die Villen mit direktem Meerblick und eigenem Pool sind alle bezogen, weiter hinten hat es noch viel Raum in der sehr weitläufigen Anlage. Bei einigen Löchern sieht man im Hintergrund das Schwarze Meer und insgesamt bietet der Platz viel Abwechslung.

Das Essen erst verdienen
Die Greens sind geräumig und vergleichsweise schnell. Die schönste Ecke auf den vorderen Neun findet man im Bermudadreieck der Bahnen 4 bis 6, wo ein Feuchtbiotop für optischen Aufputz und spielerischen Nervenkitzel auf allen drei Bahnen sorgt. Vom erhöhten neunten Tee bietet sich ein toller Ausblick über mehrere Bahnen sowie die Umgebung ausserhalb des Golfplatzes, die verdeutlicht, wie öd die ursprüngliche Landschaft hier war. Dass die Betreiber das Thema Ökologie ernst nehmen, sieht man auch daran, dass sich in den Teichen der gesamten Anlage Krebse und zehn verschiedene Fischtypen finden und nicht zuletzt quer über den Platz Weingärten in unterschiedlichen Grössen angelegt wurden. So gibt es im Restaurant eigenen Wein und auch das meiste Gemüse stammt aus eigener biologischer Produktion. Das feine Essen im geschmackvoll eingerichteten Clubhaus muss man sich allerdings erst verdienen. Speziell das Schlussloch hat es nochmals in sich: Ab der hintersten von vier Abschlagboxen ist das Par 3 211 Meter lang und das Green erhöht. Rechts lauern die Auspfosten und auch der grandiose Blick Richtung Meer kann nochmals vom Spiel ablenken. Immerhin war Architekt Gary Player mit den Ladies ziemlich human: Sie können gut 100 Meter vom Green abschlagen und haben eine reelle Chance auf den erfolgreichen Abschluss einer anspruchsvollen Runde. Derzeit stehen in den Villen gut 200 Gästebetten zur Verfügung, geplant ist zudem der Bau eines kleinen Boutiquehotels in der Nähe des Clubhauses.

Es wird gebaut

Nur wenige hundert Meter von BlackSeaRama entfernt, steht seit vergangenem Sommer ein imposantes 5-Sterne-Hotel. Es gehört zum dritten Golfplatz der Region: Lighthouse. Hier ist alles noch einmal eine Spur grösser. Gut 400 Häuser warten auf die internationale Kundschaft und obwohl erst etwa 60 Prozent verkauft sind, wird fleissig weitergebaut.
Wichtigste Kundengruppe sind hier die Russen, die interessieren sich aber mehr für Immobilien als für den Golfplatz und das spürt der Besucher. Der 18-Loch-Platz ist seit 2008 in Betrieb und trotz dem prominenten Designer Ian Woosnam hat der Golfcourse kein eigenes Gesicht. Das Gelände ist topfeben und nur selten hat man einen freien Blick aufs Meer. Insgesamt dominieren die vielen Häuser das Bild und im Vergleich zu den anderen beiden Plätzen kann dieser Platz nur bedingt punkten. Man wolle möglichst viele Golfer ansprechen und habe deshalb möglichst auf Roughs und andere Hindernisse verzichtet, heisst es. Klarer Pluspunkt sind hier die sehr grosszügigen Übungsanlagen, die auch vielköpfigen Gruppen genug Raum bieten. Mit Greenfee-Preisen von 55 Euro ist Lighthouse auch der günstigste Platz, doch eignet er sich eher für Einsteiger denn für ambitionierte oder verwöhnte Golfer. Günstig sind übrigens auch die Hotelzimmer: Selbst in der Hochsaison im Sommer zahlt man für ein Standardzimmer mit Meerblick bloss 100 Euro für zwei Personen.
 

Travelhouse-Tipp
Der Golfreise-Spezialist Travelhouse in Bad Zurzach gilt als Pionier in der Vermarktung von Golfplätzen an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Filialleiter Gerhard Meier empfiehlt speziell für Gruppen das Appartementhaus direkt neben dem Clubhaus von BlackSeaRama. Hier stehen zwölf sehr schön eingerichtete 1- und 2-Zimmer-Suiten mit Balkon und Blick auf das Schwarze Meer zur Verfügung, dazu ein Gemeinschaftsraum mit Billard. Das Haus verfügt zudem über einen eigenen Swimmingpool im Garten. Wer lieber direkt am Strand wohnt, ist im Thracian Cliffs mit zwei eigenen Badestränden allerdings besser aufgehoben.