Simpson gewinnt erstes Major

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Webb Simpson gewinnt bei der US Open seinen ersten Major-Titel. Graeme McDowell und Michael Thompson fehlen am Ende ein Schlag, um ein Montags-Stechen zu erzwingen. Tiger Woods fällt weit zurück. 

Webb Simpson hatte bereits seine Scorekarte unterschrieben und einem amerikanischem TV-Sender ein kleines Interview gegeben, als er zusammen mit seiner schwangeren Frau auf einer Bank in der Umkleidekabine Platz nahm. Beide blickten gespannt auf einen Fernsehschirm. Simpson war im viertletzten Flight auf die Schlussrunde gegangen, der Tag begann für ihn vier Schläge hinter der Spitze. Gut vier Stunden später hatte sich das Blatt gewendet. Der gläubige Amerikaner spielte im nebeligen Olympic Club eine 68, zwei unter Par, und war auf einmal der Clubhausführende.

Im Fernsehen sah er, wie der Schlussflight um Jim Furyk und Graeme McDowell das 18. Grün erreichte. Beide benötigten ein Birdie, um mit Simpson ein Montags-Stechen zu erzwingen. McDowell hatte sich dazu auf dem Par 4 mit einer soliden Annäherung eine realistische Chance erarbeitet und puttete aus gut fünf Metern, um zur Spitze aufzuschließen.

Jim Furyk biss dagegen in den Schaft seines Wedges, als er merkte, wie sein zweiter Schlag in den linken Grünbunker flog. Der Ball hatte sich sogar eingebohrt. Und Furyk brachte den Versuch aus dem Sand nicht einmal auf das Grün. Am Ende wurde es ein Bogey. Die Hoffnung auf den zweiten US-Open-Titel nach 2003 war endgültig dahin.

Blieb noch McDowell. Doch auch der Putt des Nordiren lief mehr oder weniger klar am Loch vorbei. Und so stand Simpson, 26, als Sieger der 112. US Open im Olympic Club von San Francisco fest.

"Es war einfach nur nervenaufreibend vor dem Fernseher", erklärte Simpson mit dem Siegerpokal in der Hand. "Ich weiß, was Jim und Graeme für Spielertypen sind, sie haben schließlich beide schon Majors gewonnen. Ich habe erwartet, dass es eng wird, wenn sie ins Clubhaus kommen. Bei Graemes Putt dachte ich schon, er hätte eine gute Chance, einzulochen. Ich könnte gerade nicht glücklicher sein."

Der erste Major-Titel kommt nicht wirklich überraschend. Simpson spielte eine glänzende vergangenes Jahr, gewann zwei PGA-Events und wurde darüber hinaus sowohl in der Geldrangliste als auch im FedEx-Cup Zweiter. Auch 2012 gab es einige erfreuliche Ergebnisse zu vermelden, auch wenn bis zum 17. Juni noch kein Sieg dabei war.

"Es gibt so viele große Spieler, die Majors gewonnen haben. Letztes Jahr habe ich auf meinen ersten PGA-Titel gehofft, dass der zweite gleich ein paar Wochen später kommt, hätte ich nie erwartet. Ich hatte schon das Selbstvertrauen, zu sagen, dass ich einmal ein Major gewinnen kann, aber so schnell hätte ich es nicht für möglich gehalten."

McDowell hadert mit den Drives
Graeme McDowell wusste unmittelbar nach seiner Runde noch nicht ganz, wie er den Tag einzuordnen hat. "Ich habe gerade gemischte Gefühle. Natürlich bin ich enttäuscht und leer, aber irgendwie auch stolz. Gerade überwiegt noch die Frustration. Ich habe heute nur drei Fairways getroffen. Das ist eine US Open, so etwas sollte man nicht machen."

Dennoch zog der Turniersieger von 2010 ein positives Resultat. "Mir hat die Woche gezeigt, dass ich weitere Major-Turniere gewinnen kann. Die letzten Wochen waren sehr enttäuschend. Aber ich wusste tief in mir, dass mein Spiel besser ist, als es die Ergebnisse zeigen."

Furyk sprachlos
Flight-Partner Jim Furyk dagegen konnte die Enttäuschung über die verpatzte Finalrunde nicht verbergen. "Ich weiß gerade nicht, wie ich das in Worte fassen soll", erklärte Furyk. "Ich hatte meine Chancen und der Titel war so nah. Auf den zweiten Neun wollte ich mich vom Feld distanzieren, um das Turnier sicher zu gewinnen. Aber das ist mir leider nicht gelungen."

Vor allem die zwei Bogeys auf den vermeintlich leichteren drei Schlusslöchern machten dem Amerikaner zu schaffen. "Ich habe eigentlich ziemlich gut gespielt, bis auf die letzten drei Löcher. Die Bahnen 70 bis 72 des Turniers haben mich um den Titel gebracht. Das darf mir nicht passieren." Furyk, 42, beendet die US Open auf dem geteilten vierten Platz mit Padraig Harrington, David Toms, Jason Dufner und John Peterson.

Thompson glänzt, Els enttäuscht
Den zweiten Rang teilt neben McDowell auch Michael Thompson. Dem Führenden nach der ersten Runde gelang am Sonntag mit 67 Schlägen die Tagesbestleistung. "Ich war die letzten beiden Tage sehr nervös", erklärte Thompson, der sich seine zweite Teilnahme an einer US Open erst durch ein Qualifikationsturnier erspielte.

"Heute wollte ich selbstbewusst da raus gehen, das ist mir gelungen. Mein erster Drive hat sich gleich sehr gut angefühlt und so hat die Runde ihren Lauf genommen." Thompson spielt in diesem Jahr erst seine zweite Saison als Mitglied der PGA Tour. Spätestens jetzt ist er dort angekommen.

Ernie Els hat im Verlauf seiner Karriere bereits zwei US-Open-Titel erringen können. Weit entfernt vom dritten war der Südafrikaner im Olympic Club nicht. Ein Eagle auf dem siebten Loch brachten ihn sehr nahe an die Spitze. "Ich bin schon enttäuscht", bilanzierte der große Südafrikaner. "Ich hatte eine Chance heute. Meine Eagle hat mich nach vorne gebracht, aber dann habe ich die zwei Schläge gleich wieder hergegeben." Els beendet das Turnier mit einer 72 auf Position neun.

Woods und Cejka fallen zurück
Tiger Woods' Ambitionen auf den ersten Major-Titel seit vier Jahren hatten sich am Sonntag schon nach drei Löchern erledigt. Der Amerikaner startete mit zwei Bogeys und einem Doppelbogey und kam am Ende nicht über Rang 21 hinaus.

Alex Cejka konnte in seiner Finalrunde nicht an die exzellenten Ergebniss der vergangenen Tage anknüpfen. Cejka landete mit einer 74 zum Abschluss auf dem geteilten 41. Rang des Leaderboards. Martin Kaymer wurde 15. Ein Fazit des Deutschen über die US Open 2012 können Sie hier lesen.

Hier noch einige Impressionen vom Finale der US Open 2012.